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Die Idee einer Ideenbörse

Gestern Abend sprach mit meiner Bruder über die vielen Ideen, die wir in den letzten Jahren hatten. Manche von denen sind gleich in Vergessenheit geraten und manche habe ich heute noch im Kopf. Aber wirklich viele davon, habe wir nicht umgesetzt. Um ehrlich zu sein nur wenige. Es ist dieses Gefühl, wenn eine Idee geboren wird und bei einem guten Gespräch wächst, das ich wirklich spannend finde. Zu beginn nur eine Waage Vorstellung, dann immer detaillierter und irgendwann eine finale Version mit dem Nachsatz:

So machen wir es.

Wenn es dann an die Arbeit gehen soll, fühlt sich es wie ein Rückschlag an. In der Realität kommen dummerweise einige „Vorher muss ich noch…“ ’s oder „Gleich nachdem…“ ’s zuvor und das stark brennende Feuer von eben wird mit einem kräftigen Schank Wasser abgeschreckt. Ich dem Augenblick wünschte ich mir mich klonen zu können, damit sich mein geklontes Ich voll und ganz auf das neue Projekt konzentrieren kann. Keine Arbeit bei der er jeden Morgen antreten, keine Familie und Freunde um die er sich kümmern muss, und auch keine aktuell laufenden Projekte, die einen beträchtlichen Teil seiner Zeit in Anspruch nehmen. Mit der Voraussetzung müsste es mein Klon packen.

Im Moment kann ich keine Klone erschaffen und muss mir daher anders helfen. Interessant fand ich einen Blog-Eintrag, in dem sich jemand für eine Ideenbörse ausgesprochen hat. Er empfand es als schade, dass viele gute Ideen verloren gehen, weil die Menschen nicht die Zeit oder nicht den Ehrgeiz besitzen diese umzusetzen. Wieso also nicht mit jemandem teilen und der Idee eine Chance geben verwirklicht zu werden? Mein erster Gedanke war: „Ja klar, damit sich jemand mir meiner Idee die Taschen vollstopfen kann“.

Heute denke ich ganz anders darüber.

  1. Nicht jede Idee hat Potenzial. Sie kann ganz nett sein, aber ohne einen echten Zuspruch, der sich erst in der Praxis zeigt, leider nicht überlebensfähig.
  2. Im Nachhinein bin ich immer schlauer. Wenn also jemand meine Idee umsetzen sollte, können zwei Dinge passieren. Entweder die Umsetzung wird erfolgreich, oder nicht. Wenn sie erfolgreich wird, dann ärgere ich mich über mich selbst, weil nicht ich die Idee umgesetzt habe. Sollte sie kein Erfolg haben, dann tue ich so, als ob ich es geahnt und deshalb mit dem Nichtstun richtig gelegen habe.
  3. Wir leben den Kapitalismus. Wir werden dazu erzogen, dass mit jeder unser Bewegung, jeder unserer Tat, Geld verbunden ist – egal ob Einnahme oder Ausgabe. Dadurch herrscht eine – Jeder ist sich selbst der Nächste – Mentalität. Das hat einen interessanten Effekt, der mir erst kürzlich bewusst wurde: Wenn ich jemanden eine Idee erzähle, und der wirtschaftliche Aspekt nicht deutlich wird, dann kommt in 90% der Fälle die Frage: „Und wie verdienst du damit Geld?“. Wenn ich mit „Ich weis es noch nicht“ antworte, dann ist die Idee schlecht.

In meiner Vorstellung einer Ideenbörse sind also auch Ideen erlaubt, die nicht sofort die Millionen bringen – oder auch gar nicht. Denn genau genommen ist eine Idee eine potenzielle Lösung für ein vorangegangenes Problem. Sie ist das Ergebnis einer Kette von Gedankengängen, die sich ein Mensch auf der Suche nach einer Lösung baut.

Deshalb würde ich auch mal behaupten, dass der Satz „Man muss nur die richtige Idee haben..“ nichts als eine bequeme Ausrede für jeden ist, der Angst vor der Arbeit hat. Denn, Probleme hat ja wahrscheinlich jeder.